Diese 5 Dinge solltest du unbedingt beachten, wenn du nach einem Trauerfall allein verreisen möchtest.

Diese 5 Dinge solltest du unbedingt beachten, wenn du nach einem Trauerfall allein verreisen möchtest.

Du warst schon lange kein Mensch mehr - die Trauer hatte dich fest im Griff. Erst wenn allmählich die Monate vergehen und die Routine zurückkehrt (wenn auch nie so wie vorher) merkst du eigentlich wie ausgebrannt du bist.  Dann wird es Zeit für einen Urlaub. Urlaub? Hast du wahrscheinlich schon lange nicht mehr dran gedacht, ebenso wenig wie an die anderen schönen Dinge des Lebens, die nun anders sein werden. Oder bist du sogar direkt nach der Beerdigung losgefahren, weil du rau musstest? Weg von allem und erst einmal Luft holen? 
Und nun ist das diese Frage wohin. Alle die Orte kommen in deinen Kopf... der Zeltplatz, wo abends die Sonne zwischen den Bäumen lila schimmert und das alte, hübsche Stadthotel, mit der Blumen-Tapete. Du fragst dich, ob du jemals wieder ein Kreuzfahrtschiff betreten kannst, ohne in Tränen auszubrechen, denn das war eure gemeinsame Leidenschaft? Es sind all die Orte, die mit unzähligen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit verbunden sind, Erinnerungen an die Stunden in der Sonne am See, die Gespräche nachts im Hotelbett in der gemeinsamen Lieblingsstadt. Ein Gericht im Restaurant, eine Straße in der Fußgängerzone, eine Raststätte, ein Hotelzimmer, ein Baum, eine Tageszeit... alles kann den Schmerz unvermindert zurückbringen und eine gewaltigen Neuausbruch der Trauer veranlassen.

Daher ganz klar: Fahr erstmal nicht dorthin!

Behalte diese Orte aus der gemeinsamen Vergangenheit in Erinnerung, im Herzen, aber verbanne sie (erstmal) aus der Gegenwart. Das ist nicht böse gemeint, aber es wird dir mehr gut tun, in dieser Phase deines Lebens von schmerzlichen Begegnungen Abstand zu nehmen und dich vorerst neu zu orientieren. Die gute Nachricht ist, du solltest in den Urlaub fahren. du hast deine Erholung verdient und es ist ganz normal, wieder zu reisen. Dennoch ist es nicht das selbe, da wirst du mir zustimmen. Damit deine Reise dir Raum zum Trauern gibt und gleichzeitig einen Ausblick auf neue Ziele, solltest du dir überlegen, ob du spezielle Angebot für Trauernde in Anspruch nehmen möchtest, oder lieber ganz allein entscheidest, wie du deine Reise gestaltest. Oftmals ist da jedoch wieder die Angst – wohin soll ich fahren? Wie werde ich als allein Reisender behandelt? Wie wird es sein, meine Mahlzeiten allein einzunehmen – muss ich nun am Katzentisch Platz nehmen? Was soll ich tun, wenn die Trauer mich übermannt und ich einfach nur nach Hause will?

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Auf und davon - bei einer Reise allein kommt man selten so zurück, wie man gefahren ist.

Ich bin schließlich noch nie allein verreist?!

Diese Unsicherheit ist verständlich und kommt sehr häufig vor. Dann wird die Reise geschoben oder ganz verworfen, dabei kann sie ein großer Schritt in die richtige Richtung sein. Folgende Dinge solltest du daher beachten, wenn du darüber nachdenkst, nach einem Trauerfall nun allein zu verreisen:

1. Frühere gemeinsame Ziele vermeiden

Wie bereits erwähnt, ist es nicht ratsam, direkt wieder an Orte zu fahren, die eure gemeinsamen Ziele waren – vielleicht sogar über viele Jahre hinweg. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, aber würde im Moment zu viele Erinnerungen im kontraproduktiven Sinne aufwühlen. Es ist jetzt wichtig, neue Erinnerungen zu sammeln und Abstand zu gewinnen, in Ruhe nachzudenken, ohne ständig Vergleiche zur Vergangenheit zu ziehen. Daher empfiehlt es sich, eine neue Destination zu entdecken. Frühere gemeinsame Ziele können zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die Reiseplanung einbezogen werden, wenn der nötige Abstand gewonnen wurde.

2. Nicht direkt nach der Beerdigung fahren

Vielleicht sehnst du dich sofort nach Ablenkung, wenn du nach der Beerdigung nun allein in eurem Haus bist und die Stille nur schwer erträgst? Das ist gut nachvollziehbar. Wenn du nun eine Reise unternimmst, würde es aber mehr einer Flucht gleichen – vor der Trauer, vor der Umstellung, vor dem neuen Leben. Und von dieser Flucht dann irgendwann zurück zukehren – nämlich am Ende der Reise – ohne das vorher der neue Alltag anerkannt und erprobt wurde, wäre doppelt so schwer und sehr bitter. Der Moment, in dem du realisierst, du bist nun allein und musst dein Leben nochmal neu gestalten, du musst nun neue Aufgaben übernehmen und lernen, mit dem Verlust klar zu kommen, wird schwer genug, also beginne lieber direkt damit. Schieb es nicht durch eine Reise auf. Vielleicht ist es möglich, stattdessen für die ersten Tage jemanden mit bei dir zu Hause zu haben – eine Freundin oder jemand aus der Familie? Jemand, der dir hilft, die allerersten Schritte zu meistern und dich langsam an die neue Situation zu gewöhnen.

Wenn die ersten Hürden gemeistert sind und du dich auf dein neues Leben eingestellt hast, wenn du genau weißt, was dich nach deiner Rückkehr zu Hause erwartet, wird es dir leichter fallen, eine Reise zu nutzen, um mit neuer Energie (gerne) Heim zu kommen.

3. Aktivitäten vorher festlegen

Damit du nich zu viel Zeit für negative Gedanken hast, überlege dir vorher, was du in diesem Urlaub erleben möchtest. Wähle dein Ziel danach aus – lieber an die See oder in die Berge? Viele Aktivitäten eignen sich hervorragend zum reflektieren und entspannen, z.B. Wandertouren, Segeltörns, Radtouren oder andere körperliche Aktivitäten. Ein Urlaub am Meer verdeutlicht das Ufer und die Erinnerung, ebenso wie auch das Loslassen und Voranschreiten in neue Richtungen. Wind und Seeluft wirken erfrischend und können dem Geist neuen Schwung geben. Berge verleiten dich vielleicht zu einer Konzentration auf dich selbst inmitten von Naturgewalten. Vielleicht möchtest du auch den Großteil deiner Reise abgelenkt sein und etwas neues Ausprobieren? Tauchen, Schnorcheln, Segeln, Reiten oder Yoga fordern Konzentration und Körper und sorgen für Ablenkung und Energie. So schaffst du dir neue Erinnerungen. Doch auch ein Aufenthalt im Kloster kann heilsame Effekte haben, wenn du dich ganz auf deinen Trauerprozess konzentrieren möchtest. Wichtig ist, dass du dir vorher überlegst, welche Art von Reise dir am besten helfen wird, mit der neuen Situation als Alleinreisender klar zu kommen.

4. Gleichgesinnte suchen

Wenn dir klar ist, was du in deinem Urlaub machen möchtest stellt sich nun noch die Frage, mit wem du verreist – oder besser ganz allein? Beides hat Vorteile, wenn du dich jedoch noch sehr unsicher fühlst und lieber mit der Gewissheit fährst, dass du dich für Gefühlsausbrüche weder erkläre noch verstecken musst, ist möglicherweise eine Trauerreise das richtige für dich. Es geht dabei um speziell für Trauernde Menschen konzipierte Reisen, die in einer Gruppe von Gleichgesinnten unterwegs sind. Die Reise-Ziele sind dabei vielfältig und meistens ist die ganze Zeit über ein Trauerbegleiter dabei. So findest du leichter Anschluss und kommst vielleicht besser mit anderen Menschen ins Gespräch, die ähnliches erlebt haben. Oftmals sind auch spezielle Gesprächsrunden und Trauerrituale Bestandteil solcher Reisen, neben der Zeit für die individuelle Trauerarbeit. Früher gab es dafür nur kleine Nischenanbieter, inzwischen haben auch große Anbieter wie TUI diese Reisen im Angebot.

5. Mache genau das, was dir guttut.

Vielleicht tut es dir gut, mit auf eine solche Trauerreise zu gehen, vielleicht sehnst du dich aber auch nach Normalität und Ablenkung. Dann kannst du dir überlegen, mit Freunden oder Familie zu verreisen. Du musst dabei natürlich bedenken das für viele Menschen Urlaub (wie für dich früher wahrscheinlich auch) die schönste Zeit im Jahr ist und sie somit wenig Geduld für trübsinnige Gedanken und Trauer haben.

Vielleicht möchtest du auch gar keinen Aktivitäten im Urlaub nachgehen, weil du einfach nur Erholung brauchst – dann ist das auch kein Problem – du solltest die Zeit nutzen, genau dass zu tun, was dir wirklich hilft. Wenn du das Gefühl hast reden zu wollen und mehr Unterstützung brauchst, dann kannst du die Angebote auf einer Trauerreise annehmen, du musst aber nicht. Es geht um dich und deinen Urlaub, da sollte kein Druck oder (Gruppen-) Zwang im Spiel sein. Leider sichert auch eine spezielle Reiseabbruch-Versicherung nicht ab, wenn du die Reise aufgrund von Trauer und psychischer Belastung vorzeitig abbrechen möchtest, sie greift nur bei schlimmen Verletzungen o.ä.. Lass dir daher lieber ein wenig mehr zeit mit der Entscheidung, welche Reise du wann unternehmen möchtest und kannst.

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